Uniformierung

Unbekannter Angehöriger des Asienkorps, Archiv Seitenautor

"General v. Falkenhayn hatte es sich angelegen sein lassen, durch persönliche Verhandlungen mit dem Kriegsministerium unter Nutzbarmachung seiner in Ostasien gemachten eigenen Erfahrungen die Richtlinien in großzügiger Weise und ohne Ansehung der Kosten festzusetzen."

Dr. Steubner


Für die Sommer-Uniformierung des Asienkorps standen umfangreiche Bestände an Uniformen der Schutztruppen der deutsche Schutzgebiete und des III. Seebataillons in Kiautschou zur Verfügung. Da bis auf Deutsch-Ostafrika zum Zeitpunkt der Aufstellung des Asienkorps alle Schutzgebiete und das Pachtgebiet bereits verloren gegangen waren, konnte auf diese reichhaltigen und zu diesem Zeitpunkt nutzlosen Bestände zurückgegriffen werden. Des Weiteren wurde die Ausrüstung der Ostasienexpeditionen von 1900 und folgenden verwendet. Die Winter-Uniformierung bestand aus der normalen feldgrauen Montur, wie sie auch an den anderen Kriegsschauplätzen getragen wurde. Auf sie wird daher hier nicht weiter eingegangen. Die folgenden Details beziehen sich demnach auf die Sommermontur.

Dr. Steubner berichtet: "Nicht weniger Sorgfalt wurde auf die persönliche Ausrüstung von Offizier und Mann gelegt. Sie war bis in alle Einzelheiten durchdacht. Man suchte durch Mitnahme von Khaki-Sommeranzügen und dicken, wollenen feldgrauen Heimatuniformen den klimatischen Verschiedenheiten des subtropischen Orients Rechnung zu tragen. Bett und Zelt waren für jeden einzelnen Mann vorgesehen. Aber auch hier mußte notwendig die Reichhaltigkeit der Ausrüstung zur Unhandlichkeit, Schwerfälligkeit und zu einem unförmigen Troß führen, welcher der Truppe, sobald die Bahn aufhörte, einfach nicht folgen konnte. Das Gepäck blieb liegen oder fiel der Plünderung, oft dem Wetter zum Opfer."

1. Kopfbedeckung

1.1 Tropenhelm Modell 1900

Am vermutlich aus Beständen der Ostasienexpedition stammenden khakifarbenen Tropenhelm Modell 1900 trug man einen abnehmbaren Reichsadler von Messing (Offiziere vergoldet). Abstreifbares Band in Abzeichenfarbe: Infanterie weiß, Kavallerie rot, Artillerie, Pioniere und Verkehrstruppen schwarzer Samt mit roten Vorstößen, Train blau. Rechts die große Reichskokarde. Der Nackenschirm war aufklappbar und es konnte ein Nackenschleier aufgehakt werden. Zuweilen wurde die Kokarde vorne anstelle des Adlers getragen.[1]

1.2 Tropenhelm Modell 1896

Auf einem Foto ist ein khakifarbener Tropenhelm erkennbar, der eher den in Deutsch-Ostafrika verwendeten Modellen 1896 ähnelt. Dieser hatte keinen Adler und auch kein Band in Abzeichenfarbe. Eine Kokarde ist nicht erkennbar, könnte jedoch aufgrund der Perspektive nicht zu sehen sein. Ein Nackenschleier scheint nachgerüstet worden zu sein.

1.3 Schirmmütze Modell 1900

Die khakifarbene Schirmmütze Modell 1900, vermutlich ebenfalls aus Beständen der Ostasienexpedition, hatte einen meist ledernen Schirm. Selbst beschaffte Stücke wiesen auch einen stoffbezogenen auf. Dazu ein Lederkinnriemen. Ein Schleier war anknöpfbar. Keine Vorstöße. Oben die Reichskokarde, auf dem Besatzstreifen die Kokarde des Heimatlandes des Trägers.

1.4 Weiße Schirmmütze für Offiziere

Mütze nach dem Muster der Feldmütze für Offiziere, jedoch in weiß. Dazu ein meist schwarzer Kinnriemen und Schirm. Diese Mütze gehörte zum weißen Anzug für Offiziere.

2. Rock

Hier sind nach Auswertung der erhaltenen Originale, sowie der Fotodokumente zwei Grundmodelle an Khakiblusen erkennbar.

2.1 Feldrock Modell 1896

Khakibluse oder Einheitstropenfeldrock der Schutztruppen mit 4 Taschen, wovon die Brusttaschen Quetschfalten besaßen. An den Ärmeln ein kleiner Umschlag. Statt der Kaiserkrone die Preußische Krone auf den matten Messingknöpfen (Schutztruppe: matt-silberfarbene Knöpfe). Blauer Vorstoß an Kragenrand, Vorderkante und Ärmelumschlägen. Meist wurden die schwarz-weiß-roten Schulterschnüre der Schutztruppe weiterverwendet. Da die Polizeitruppen in den Schutzgebieten Feldröcke ohne Vorstöße trugen, wurden auch diese verwendet.

2.2 Feldrock Modell des III. Seebataillons

Diese Khakibluse war ähnlich der oben beschriebenen und scheint nach Auswertung der Fotoquellen die häufiger verwendete Bluse gewesen zu sein. Sie hatte nur zwei Taschen, generell keine Vorstöße und einfache, spitz zulaufende Schulterklappen aus Khakistoff. An den Ärmeln kein Umschlag. Als Knöpfe kamen wiederum solche mit der preußischen Krone zur Verwendung.

2.3 Schulterklappen, Schulterstücke

Schulterklappen der Mannschaften und Unteroffiziere wurden ohne Nummern, mit oder auch ohne farbige Vorstöße in Abzeichenfarbe getragen. Teilweise wurden auch die Einheitsschulterschnüre der Schutztruppen verwendet. Diese waren aus Plattschnur nach dem Muster für Subalterne-Offiziere, jedoch aus weißer Wolle mit schwarz-roten Durchzügen und ohne farbige Unterlage gefertigt. Vermutlich wurden diese Schulterschnüre einfach auf den Röcken belassen, wenn diese aus den Depots der Schutztruppen entnommen wurden. An den Schulterklappen normale Kronenknöpfe, keine Kompanienummern. Die Schulterstücke der Offiziere waren vermutlich jene, die diese zur Uniform ihres Stammtruppenteils trugen.

Die auf den Ärmeln aufgenähten Tätigkeitsabzeichen entsprachen den normalen des Heeres, sie waren lediglich auf khakifarbenem Drillich aufgestickt oder aufgewebt.

Interessant ist diese Episode vom 17. Juli 1918, über die Hauptmann Simon Eberhard berichtet (der genannte Oberst ist Oberst von Frankenberg): "Bei einem Besuch eines Herrn des Heeres-Gruppen-Kommandos hat der Oberst diesen, der mit aufgeknöpftem Rockkragen und darunter einer Zivilkrawatte (!) erschien, als Truppenkommandeur ersucht, sich hier an der Front nach den Vorschriften anzuziehen, was unser aller Meinung nach durchaus berechtigt war, hatten wir doch selbst überall mit der Aufrechterhaltung der Disziplin zu tun. Was geschieht nun? Nachdem der »Gemaßregelte« schon vorher durch Telephon dem Ia Mitteilung gemacht, steht tatsächlich eines Tages als Nummer 1 des Tagesbefehls der Heeresgruppe, daß es während der heißen Zeit den Offizieren und höheren Beamten usw. erlaubt sei, den obersten Rockknopf geöffnet und darunter eine schwarze oder weiße Krawatte sichtbar zu tragen, außer im Dienst mit Mannschaften und Meldungen usw.!!!

Tableau! Also unter Umgehung der Allerhöchsten Stelle, welche allein zu Uniformänderungen berechtigt ist, wird hier eine den Engländern nachgeahmte Zivilmode offiziell propagiert. Gegen das Öffnen des Kragens wird niemand etwas einwenden, das ist als Anzugserleichterung ausdrücklich in der Felddienst-Ordnung vorgesehen. Und warum dieses Theater? Weil man hinten zu eitel ist, um vor den haufenweise eingefallenen Weiblichkeiten sich mit offenem Kragen ohne etwas darunter zu zeigen! Kein Herr aus unserm Stabe macht diese Engländermode mit. Wo anders greift man natürlich begierig nach diesem »Cri de Nazareth«, und bald sieht man Unterzahlmeister, Magazinleute, auch Schreiber mit den schwungvollsten, in allen Farben schimmernden Krawatten umherlaufen...."

2.4 Offiziersrock, weißer Rock

Diese richteten sich im Allgemeinen nach denen der Mannschaften, wiesen jedoch eine größere Vielfalt an Variationen aus. Es kamen Röcke mit verdeckter oder offener Knöpfung, mit Taschen mit oder ohne Quetschfalte vor, Röcke mit 6 oder 8 Vorderknöpfen, mit oder ohne Gesäßknöpfe, mit Rollumschlag oder mit kleinem Umschlag, mit aufgesetzten oder versenkten Taschen njach dem Muster der feldgrauen Sommerröcke, usw.

Interessant ist, daß für Offiziere ein weißer Anzug gestattet wurde, welche die gleichen Variationen wie der khakifarbene für Offiziere aufwies. Dazu wurden gerne, wie oben beschrieben, die beiden obersten Knöpfe offen gelassen und ein weißen Hemd nebst eine Krawatte angelegt.

3. Beinkleider

3.1 Khakifarbene Stiefelhosen

Es wurden khakifarbene Stiefelhosen nach dem Schnitt der Stiefelhosen der Kavallerie nebst Wickelgamaschen, welche feldgrau oder dunkelkhaki gefärbt waren, getragen. Dazu Schnürstiefel.

3.2 Khakihosen

Anstelle der Stiefelhosen wurden zuweilen auch lange Khakihosen verwendet, vor allem außer Dienst. Diese entsprachen den normalen Feldhosen, nur daß sie aus khakifarbenem Stoff gefertigt waren. Wenn sie aus den Beständen der Schutztruppe stammte, wies sie wohl den obligatorischen, blauen Vorstoß auf. Dazu wurden dann Schnürschuhe oder ungefärbte Marschstiefel getragen.

3.3 Weiße Hosen

Zum weißen Anzug für Offiziere war auch eine weiße Hose vorgeschrieben, welche sich bis auf die Grundfarbe nicht von der khakifarbenen unterschied.

4. Ausrüstung

Das Koppelschloß entsprach dem normalen Infanteriemuster Modell 1895. Vermutlich wies es das Emblem des jeweiligen Heimatlandes des Trägers aus, als Reichstruppe könnte jedoch auch das Muster der Schutztruppen mit Kaiserkrone und "Gott mit uns"-Schriftzug verwendet worden sein. Ob die Variante aus Messing und aufgelegtem Neusilberemblem oder die einfache, aus einem Stück geprägte Einsenblech-Variante (wie sie aus Materialknappheit ab 1916 an allen Fronten zusehends ausgegeben wurde) verwendet wurde, ist nicht gesichert. Beides ist möglich, nach Auswertung der Fotoquellen scheint jedoch die mattgraue, preußische Koppelschlossvariante die häufigste gewesen zu sein.

Der Koppel entsprach der normalen, lohgaren Variante (wie alles Lederzeug des Asienkorps), als Seitengewehre wurden vermutlich Einheitsseitengewehre 1914 ausgegeben.

Als Patronentaschen wurden meist die älteren, einteiligen Modelle 1887/88 und 1895 verwendet. Es kam aber auch das dreiteilige Modell 1909 vor.

Die restliche Ausrüstung, wie Bewaffnung, Spaten, Tornister, Gasmaske, Brotbeutel, Feldflasche, etc. entsprach der normalen Ausrüstung der jeweiligen Truppengattung und soll nicht näher betrachtet werden.

5. Rangabzeichen

Die Troddel entsprachen dem normalen Muster ab 1916, also mit grauem Band und Quast, anstelle der weißen. Ob die Unteroffiziere die Troddel in Reichsfarben oder den Farben des Heimatlandes trugen, ist nicht geklärt (wie bei den Koppelschlössern).

Die vor allem am Feldrock Modell Seebataillon verwendete Unteroffiziersborte entsprach der Einheitsborte des Heeres, also grau mit zwei weißen Streifen. Sie wurde um Kragen und seltener auch die Ärmelaufschläge gelegt, oft auch nur in kleinen Ecken um Material zu sparen. Auch die silbernen, auf blauem Tuch aufgenähten Rangwinkel der Unteroffiziersdienstgrade wurden bisweilen, vor allem an den Schutztruppenfeldröcken, verwendet. Manchmal aber auch dagegen  mattgoldene Unteroffizerstressen oder sogar beides, Tressen und Winkel.

Rangknöpfe für Unteroffiziere/Sergeanten und Gefreite können ebenfalls von der Reichsvariante oder der Heimatlandvariante gewesen sein.

Das Portepee könnte von der Reichsvariante gewesen sein (also im Prinzip die preußische mit einem zusätzlichen roten Mittelstreifen) oder der normalen des Heimatlandes. Desgleichen gilt für die Offiziersschulterstücke.

6. Bilder

Bilder eines Originalen Rockes für einen Sanitäts-Unteroffizier des Asienkorps (BAM, Inv.Nr. 147/93)

Soldat des Asienkorps mit Familie.

Pionier des Asienkorps in Feldrock der Schutztruppen. Offizier des Asienkorps in feldgrauem Sommerrock.
Soldat des Asienkorps vermutlich mit Tropenhelm Modell 1896 aus Deutsch-Ostafrika. Pionier des Asienkorps.

Bildquellen: Archiv Seitenautor

Weitere Bilder einer Rekonstruktion, wie ein Sergeant des Asienkorps ausgesehen haben könnte, sehen Sie im Menüpunkt Geschichtsdarstellung.

 

Das Kaiserliche Asienkorps

Jildirim - Der Blitz


[1]  Es existieren auch Bilder von Stahlhelmen, die von den Alliierten an der Palästinafront erbeutet wurden. Da sie 1917/18 zur normalen Ausrüstung der deutschen Infanterie gehörten, ist es sehr wahrscheinlich, daß diese auch mit nach Palästina genommen wurden als Bestandteil der Wintermontur. Ob sie auch im Sommer getragen wurden, ist nicht gesichert.